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Wie viel von unserem Glück liegt in unserer Hand?

Die „Glückstorte“ verspricht, dass 40 Prozent unseres Glücks von uns selbst abhängen. Die Forschung zeichnet ein anderes Bild.

Vielleicht kennst du die Grafik: ein Tortendiagramm in drei Stücken. 50 Prozent unseres Glücks seien genetisch bedingt, 10 Prozent hingen von den Lebensumständen ab und 40 Prozent von dem, was wir selbst tun. Die Aufteilung geht auf einen Fachartikel von Lyubomirsky, Sheldon und Schkade aus dem Jahr 2005 zurück. Seitdem taucht sie in Ratgebern, Vorträgen und Seminaren auf.

Die Botschaft dahinter ist freundlich gemeint: Du hast mehr Einfluss, als du denkst. Ich verstehe gut, warum sie so viele Menschen anspricht. Ein genauerer Blick lohnt sich trotzdem.

Was von der Glückstorte bleibt

Brown und Rohrer haben das Modell 2020 statistisch und theoretisch geprüft. Ihr Ergebnis: Die Aufteilung hat kaum eine empirische Grundlage. Vermutlich unterschätzt sie den Einfluss der Lebensumstände und überschätzt den Anteil, den wir durch eigene Aktivitäten steuern können.

Eine neue, genauere Aufteilung liefern die beiden allerdings nicht. Wer jetzt eine andere Prozentzahl erwartet, wird enttäuscht. Die ehrliche Antwort auf die Frage aus der Überschrift lautet also: Wir wissen es nicht genau. Vieles spricht dafür, dass die 40 Prozent zu optimistisch sind.

Und die Übungen, die glücklicher machen sollen?

Dankbarkeitstagebuch, Stärkenübungen, kleine freundliche Gesten: Solche Interventionen der Positiven Psychologie sind gut untersucht. Eine Metaanalyse randomisierter Studien fand kleine Effekte auf das Wohlbefinden (Bolier et al., 2013). Eine spätere Reanalyse, die den Einfluss kleiner Stichproben stärker berücksichtigte, kam auf noch kleinere Effekte (White et al., 2019).

Klein heißt nicht wirkungslos. Manchen Menschen tun solche Übungen gut, und das ist wertvoll. Zu dem Versprechen, ein großer Teil unseres Glücks lasse sich durch eigenes Tun steuern, passen die Befunde aber schlecht.

Ein Blick in die Arbeitswelt

Ähnliches deutet sich am Arbeitsplatz an. In einer britischen Befragung von über 46.000 Beschäftigten aus 233 Organisationen ging es Teilnehmenden an Resilienztrainings, Achtsamkeitsangeboten oder Wellbeing-Apps im Schnitt nicht besser als den übrigen (Fleming, 2024). Die Studie ist ein Querschnitt. Sie kann also nicht zeigen, dass diese Angebote nichts bewirken. Sie passt aber zu der Vermutung, dass solche Angebote allein oft nicht reichen.

Ich lese das so: Wenn Lebensumstände mehr zählen als lange angenommen, lohnt sich der Blick auf das, was sich gestalten lässt. Zu unseren Lebensumständen gehört auch die Arbeit. In Organisationen lassen sich zum Beispiel Arbeitsmenge, Handlungsspielräume, Abläufe und Führung gestalten. Was hier besser gelingt, kann vielen Menschen zugleich zugutekommen, ohne dass jede und jeder Einzelne erst an sich arbeiten muss.

Und für dich?

Vielleicht hast du dir schon oft vorgenommen, gelassener, achtsamer oder resilienter zu werden, und es hat nicht so geklappt, wie du wolltest. Das muss nicht an dir liegen. Nicht alles liegt in deiner Hand. Das anzuerkennen kann entlasten und den Blick dafür öffnen, wo sich der eigene Einsatz wirklich lohnt.

Deine Chris


Quellen

  • Bolier, L., Haverman, M., Westerhof, G. J., Riper, H., Smit, F. & Bohlmeijer, E. (2013). Positive psychology interventions: A meta-analysis of randomized controlled studies. BMC Public Health, 13, 119. doi:10.1186/1471-2458-13-119
  • Brown, N. J. L. & Rohrer, J. M. (2020). Easy as (happiness) pie? A critical evaluation of a popular model of the determinants of well-being. Journal of Happiness Studies, 21(4), 1285–1301. doi:10.1007/s10902-019-00128-4
  • Fleming, W. J. (2024). Employee well-being outcomes from individual-level mental health interventions: Cross-sectional evidence from the United Kingdom. Industrial Relations Journal, 55(2), 162–182. doi:10.1111/irj.12418
  • Lyubomirsky, S., Sheldon, K. M. & Schkade, D. (2005). Pursuing happiness: The architecture of sustainable change. Review of General Psychology, 9(2), 111–131. doi:10.1037/1089-2680.9.2.111
  • White, C. A., Uttl, B. & Holder, M. D. (2019). Meta-analyses of positive psychology interventions: The effects are much smaller than previously reported. PLOS ONE, 14(5), e0216588. doi:10.1371/journal.pone.0216588